Italien
Während grauer Novembertage in Österreich träumen wohl viele StudentInnen davon, in Italien auf einer Piazza einen Kaffee zu trinken und ein bisschen am Dolce Vita teilhaben zu können.
Neben Dolce Vita bietet ein Auslandsstudium in Italien aber auch noch andere Vorteile; gerade in Österreich sprechen trotz der geographischen Nähe nur relativ wenige gut Italienisch. Das ganze Studium in Italien zu absolvieren, ist allerdings nicht unbedingt ratsam: Erstens bekommt man im Gegensatz zu Studienaufenthalten bis zu einem Jahr kaum Förderungen, zweitens werden die Chancen am österreichischen Arbeitsmarkt durch ein italienisches Diplom nicht unbedingt erhöht.
Daher ist es eher zu empfehlen, ein bis zwei Semester dort zu verbringen als das ganze Studium. Sehr zu empfehlen ist der Besuch einer der zahlreichen Post-Graduate-Lehrgänge. Einerseits gibt es hier sehr gute Stipendien für AbsolventInnen geisteswissenschaftlicher Studien, daneben aber auch immer mehr Post-Graduate-Abschlüsse mit internationaler Ausrichtung (z.B. das "Istituto universitario europeo" in Florenz, das "Bologna Center of the Johns Hopkins University of Baltimore" und das "Collegio europeo" in Parma).
Im Gegensatz zu Österreich und den meisten anderen europäischen Ländern gibt es in Italien keine Fachhochschulen, sondern nur Universitäten. Diese bieten aber zum Teil praxisorientierte Studiengänge an. Insgesamt gibt es in Italien 46 staatliche Universitäten, 3 staatliche Technische Hochschulen ("politecnici"), 5 private, staatlich anerkannte Universitäten, 3 staatliche Institute mit Universitätsrang ("istituti universari"), 4 private, staatlich anerkannte Institute mit Universitätsrang, 1 staatliche Sporthochschule ("istituto superiore di educatione fisica"), 10 staatlich anerkannte Sporthochschulen und 2 Ausländeruniversitäten ("università per stranieri"). Letzere sind keine eigentlichen Universitäten, sondern bieten Kurse für die Vorbereitung auf die Unis an (für die Zugangsprüfungen und den Sprachtest).
Prinzipiell kann ein Studium in Italien nur empfohlen werden, wenn man sehr gut italienisch spricht. Alle Vorlesungen werden auf Italienisch abgehalten (im Gegensatz zu Ländern wie den Niederlanden oder Skandinavien, wo es auch englische Studiengänge gibt).
Zur Qualität der Hochschulen lässt sich nicht nur gutes sagen: Italien hat wie viele andere Länder auch mit dem Problem der Massenuniversitäten zu kämpfen. Auch dort sind die Aussteigerquoten und die Durchschnittsstudiendauer relativ hoch. Für AusländerInnen stellt oft auch das komplizierte Anmeldeverfahren ein Hindernis dar. In den letzten Jahren wurde aber versucht, durch einige Reformen die italienischen Universitäten wie im Mittelalter wieder an die europäische Spitze zu bringen: Eine staatliche Beurteilung der Leistungsfähigkeit wurde ebenso wie ein umfangreiches Credit-Point-für eine flexiblere Studienplanung eingeführt. Die größte Neuerung sind aber sicher die neuen Abschlüsse: Es gibt nun auch dreijährige, praxisorientierte Studiengänge. Damit will man sich dem internationalen Trend anpassen, der ja auch in Österreich zur Einführung der Bakkalaureatsstudien geführt hat.
