Zero Waste Tipps: Wie du (fast) keinen Müll produzierst

Die Supermarktregale machen es uns nicht leicht: Viele Gemüsesorten bekommen mit einer Plastikverpackung eine zweite, eigentlich unnötige Schale verpasst. Übersichtlich aneinandergereiht, finden wir eine riesengroße Auswahl an Getränken vor, doch das meiste davon ist in Einwegflaschen abgefüllt. Und das doppelt verpackte Zuckerzeug ist zwar für den Konsumenten ideal proportioniert und hilft dabei, nicht gleich die ganze Packung leer zu futtern – zumindest manchmal – aber es landet dadurch auch jede Menge im Mist. In Summe bedeutet der Gang in den Supermarkt: Müll, wohin das Auge reicht. Und das zieht sich durch viele Bereiche unseres Lebens. Ganze 146 Kilo Müll erzeugt jeder Einwohner Österreichs im Schnitt pro Jahr. Der tägliche Müll, den wir alle gemeinsam produzieren, summiert sich zu ganzen Müllbergen, was uns wegen der hierzulande gut funktionierenden Müllentsorgung wahrscheinlich nicht so bewusst ist. Doch die Ressourcen unserer Welt sind begrenzt und jeder Müllsack bedeutet, dass die Verpackung vorher produziert werden musste und außerdem in Folge eine Entsorgungskette dahintersteckt.

Deshalb ist es umso schöner, dass du hierher gefunden hast. Wir helfen Dir bei deiner Mission, ein müllfreieres Studentenleben zu führen und das kann sich sogar für den Geldbeutel lohnen. Hier kommen deine 12 Müllvermeidungs-Tipps:

1. Coffee-to-go bitte ab jetzt im Mehrwegbecher

Morgens schnell beim Bäcker oder im Lieblingscafé nebenan vorbeigehen und sich einen frisch gebrühten Kaffee für den Weg zur Uni holen – so starten viele Studierende in den Tag. Doch der mobile Kaffeegenuss hat große Auswirkungen auf die Menge an Müll, die wir produzieren. Die Umweltberatung, finanziert durch die Wiener Umweltschutzabteilung, hat die Konsequenzen der schätzungsweise 800.000 Einweg- Kaffeebecher pro Tag in Österreich zusammengefasst: Für Einwegbecher werden pro Jahr circa 4.500 Bäume abgeholzt, 160 Millionen Liter Wasser und der Jahresstromverbrauch von mehr als 9.000 österreichischen Haushalten verwendet. Und das nur in Österreich! Im Schnitt wird der Becher für den schnellen Kaffee nur 15 Minuten verwendet, bevor er im Müll landet und kann dann aufgrund der Kunststoffbeschichtung nicht einmal gut recycelt werden. Für den kurzen Genuss werden also unglaublich viele Ressourcen verwendet – Zeit, etwas daran zu ändern und das geht relativ einfach. Du kannst ab sofort deinen eigenen Becher mitbringen. In manchen Kaffees kannst du auch passende Mehrwegbecher kaufen. Auch Pfandsysteme für Mehrwegbecher, wie myCoffeeCup erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. So macht der Kaffeegenuss erst richtig Freude und erzeugt kein schlechtes Gewissen.

2. Hab immer dein Einkaufsackerl dabei

Gehörst du auch zu denjenigen, die schnell noch am Heimweg das Nötigste beim Supermarkt holen? Oft kommt der Einkauf unverhofft und genau dann hat man natürlich kein größeres Sackerl dabei. Das kannst du schnell ändern: Es gibt bereits viele Stoffbeutel, Obstnetze oder kleine Taschen zum Einkaufen, die man perfekt zusammenfalten und im Rucksack oder der Handtasche platzsparend unterbringen kann. Sollte der Einkauf doch einmal größer ausfallen, kannst du notfalls vor Ort auf ein Papiersackerl zurückgreifen. Dieses kannst du zuhause auch mehrfach verwenden. Wenn dein Supermarkt direkt um die Ecke ist, kann man natürlich auch ein paar Schritte gehen und einen kurzen Abstecher nach Hause machen. Denn gerade in Großstädten befindet sich fast an jeder Ecke ein Supermarkt und es dauert ja auch nur ein paar Minuten, um schnell ein Sackerl, den Einkaufstrolley oder den Einkaufskorb zu holen. Gesund und müllsparend ist es allemal!

3. Eigene Behälter für Lebensmittel und ganze Mahlzeiten nutzen

Wenn du bereits zu denjenigen gehörst, die den Einkauf planen und dafür ein paar gesunde Schritte mehr in Kauf nimmst, kannst du auch wiederverwendbare Verpackungen mitnehmen. An der Fleisch-, Fisch- und Käsetheke und auf Wochenmärkten kannst du meist darum bitten, dass das Essen in deinen mitgebrachten Behältern abgepackt wird. Für Brot und Semmeln kannst du ein eigenes Stoffsackerl zur Bäckerei mitbringen. Auch wenn du eine belegte Semmel gleich mitnimmst, bitte die Person hinter der Theke darum, es dir ohne Verpackung zu geben. Hier kommt noch ein Tipp, wie du als Student beim Essen richtig Geld sparen kannst und gleichzeitig Müll vermeidest: Die Website bzw. App Too Good to Go hat auch in Österreich seit einiger Zeit der Lebensmittelverschwendung den Kampf angesagt. Hier kannst du in Restaurants und Lebensmittelgeschäften am Abend übrig gebliebene Lebensmittel und Portionen zu teils unschlagbaren Preisen abholen – natürlich im eigenen Behälter.

4. Einkaufen von unverpacktem Gemüse im Supermarkt oder Bauernmarkt

Verzichte konsequent auf verpacktes Gemüse. Nicht nur kleine Tomaten, Gurken oder Broccoli werden in Supermärkten häufig in Plastik verpackt. Die Gemüsetheke ist in der Regel überfüllt von Plastikverpackungen, bietet aber auch häufig frei entnehmbare Varianten zum Abwiegen. Obstnetze helfen dabei, um auf Einwegsackerl zu verzichten. Verzehrfertige, bereits geschnittene Salate in der Plastikschale scheinen auf dem ersten Moment sehr praktisch zu sein, gerade für eine gesunde Mittagspause, aber produzieren unverhältnismäßig viel Müll. Wenn du die Zutaten einzeln kaufst, tust du nicht nur etwas für die Müllvermeidung, sondern kannst auch frisch aufgeschnittenes Gemüse auf dem Teller genießen. Auf Bauernmärkten ist es noch einfacher: Hier findest du nicht nur frisches Gemüse aus der Region, sondern kannst in der Regel auf Plastik komplett verzichten.

5. Gemüsekiste

Saisonale Gemüsekisterl sind in der Regel verpackungsfrei, da sie in Mehrwegkisten zum Ort deiner Wahl geliefert werden. Die leere Kiste tauscht man dann gegen eine volle aus – mit frischem Gemüse aus deiner Umgebung. Das stärkt die regionalen Bauern und spart lange Transportwege. Wenn dir eine ganze Kiste zu viel ist, frag doch deine Mitbewohner, Nachbarn oder Kollegen, ob sich jemand mit dir eine Kiste teilen möchte. Vielleicht kannst du so gleich mehrere Personen für den „Zero Waste“-Gedanken begeistern. Bei Bio-Austria findest du übrigens Bio-Kisterl Anbieter in ganz Österreich.

6. Müllvermeidung bei Getränken durch Glasflaschen

Hierzulande genießen wir eine hervorragende Trinkwasserqualität. Wasser aus Plastikflaschen aus dem Supermarkt sind keine Notwendigkeit. Wer das Wasser aus der Leitung dennoch aufpeppen möchte, um zum Beispiel den Kalkgehalt zu reduzieren, kann einen Wasserfilter verwenden. Dadurch entsteht natürlich auch Müll. Suche dir daher eine möglichst langlebige Variante, wenn du darauf nicht verzichten möchtest. Eigene Flaschen aus Glas oder Stahl sparen den Gang in die Getränkeabteilung im Supermarkt, wenn du unterwegs vom Durst überrascht wirst. Und soll es doch mal etwas mehr Geschmack sein, kannst du Fruchtsäfte und Smoothies zum Beispiel mit Entsaftern selbst herstellen. Dann weißt du auch ganz genau, was drin ist.

7. Einkaufen in Unverpackt-Lebensmittegeschäften

Möchtest du einen Schritt weitergehen und auch andere Grundnahrungsmittel verpackungsfrei kaufen? In den meisten großen Städten gibt es bereits verpackungsfreie Geschäfte, welche auch gerne „Unverpacktläden“ genannt werden. Hier bekommst du nicht nur Reis, Hülsenfrüchte, Teigwaren und andere frei abfüllbare Lebensmittel für deine Vorratsbehälter. Das Sortiment wird ständig erweitert und umfasst mitunter auch schon Putz- und Reinigungsmittel und andere Dinge des alltäglichen Bedarfs, sogenannte Non-Food-Artikel. Dazu gehören auch Zahnpasta und Pflege für Haut und Haar.

8. Zero Waste bei der Körperpflege: Haarseife und Deos

Statt zur Plastikflasche bei Duschgels und Shampoos zu greifen, kannst du Haarseifen und auch Varianten zum Duschen ebenfalls aus Unverpacktläden ausprobieren. Es kann allerdings ein bisschen dauern, bis du die richtige Seife für deinen Haartyp gefunden hast. Daher bitte nicht gleich aufgeben, wenn der erste Versuch nicht zum gewünschten Erfolg geführt hat.

Eine weitere und immer beliebtere Möglichkeit, um Müll im Alltag zu vermeiden, ist die Nutzung von Deo-Cremes. Sie sind meist viel hautschonender als andere Deos und schützen auch gut vor unangenehmen Gerüchen. Deo-Cremes lassen sich übrigens auch leicht selbst herstellen. Wenn du möchtest, kannst du auch ätherische Öle hinzufügen. Folgendes Deo-Creme Rezept von Smarticular kannst du für dich mit deinem Lieblingsduft umsetzen:

  • 3 TL Kokosöl
  • 2 TL Natron
  • 2 TL Kartoffelstärke, Mais- oder Pfeilwurzstärke
  • 10 Tropfen ätherisches Öl (optional)

So geht’s: Vermische Natron und Stärke. Füge dann nach und nach das flüssige Kokosöl hinzu und rühre es um, bis alles eine cremige Konsistenz ergibt. Füge dein Aroma-Öl hinzu und fülle alles in deinen Tiegel. Fertig!

Du suchst noch mehr spannende Do-it-yourself Tipps? Hier findest du noch mehr DIY Rezepte.

9. Natron: Der Alleskönner ersetzt viele einzelne Haushaltshelfer

Früher durfte Natron in keinem Haushalt fehlen. Doch irgendwie ist das weiße Pulver dann in Vergessenheit geraten. Stattdessen füllen sich Küche und Badezimmerschränke mit diversen Plastikflaschen und Verpackungen. Doch Natron kann viel: Natron statt Backpulver, bei kleineren Wehwehchen, bei der Reinigung von Küche, Bad und Kleidungsstücken. Selbst WC-Tabs, Deos und Badebomben lassen sich mit Natron selbst herstellen. Smarticular hat über 250 Anwendungen für Natron im Buch „Das Natron Handbuch“ gesammelt. Einen Teil der tollen Einsatzmöglichkeiten von Natron findest du direkt bei Smarticular.

10. Müllvermeidung in kleinen Städten: Kaufe große Portionen und mach bei FoodCoops mit

Auch wenn die Anzahl der Unverpacktläden weiter zunimmt, bieten gerade kleine Städte oft keine Möglichkeit zum komplett verpackungsfreien Einkauf. Achte daher beim Einkauf darauf, dass du größere Portionen kaufst, aber nicht so groß, dass du, gerade bei Lebensmitteln, wieder die Hälfte wegschmeißen musst. Waschmaschinenpulver lässt sich zum Beispiel gut lagern, weshalb du hier ruhig zur Großpackung greifen kannst.
Außerdem kannst du Mitglied von sogenannten FoodCoops werden. Bei diesen Lebensmittelkooperationen schließen sich einzelne Personen und Haushalte zum Großeinkauf von lokalen Produkten zusammen. Hier findest du eine Liste an FoodCoop Anbietern in ganz Österreich.

11. Bio-Abfälle über eine Wurmkiste verwerten

Die Reste von Gemüse und Früchten stecken voller toller Nährstoffe – es wäre zu schade, diese in den Restmüll zu werfen. Die meisten Studierenden verfügen nicht über die Möglichkeit eines Komposts. Aber eine Wurmkiste, quasi ein, für die Wohnung geeigneter, Komposthocker, passt in jede WG und in jedes Studentenapartment. Stinkt nicht und die Würmchen sind wahrscheinlich die unkompliziertesten Mitbewohner, die man sich vorstellen kann. Der gewonnene Wurmkompost ist zusätzlich ein hervorragender Dünger für deine Zimmerpflanzen.

12. Zero Waste bei Bekleidung

Socken stopfen: Das war früher Standard. Heute landen die Socken im Müll und das nächste Paar wird einfach neu gekauft. Doch häufig warten wir nicht einmal, bis das Kleidungsstück verschlissen ist. Wir kaufen etwas, tragen es kurz und werfen es weg. Es gibt sogar einen eigenen Begriff dafür: Fast Fashion. Die Lebensdauer von Kleidungsstücken hat sich enorm gewandelt. Ein Großteil der Modeindustrie ist darauf ausgelegt, dass die Kassen ständig klingeln. Dabei sind die Baumwollproduktion, Färbung von Kleidungsstücken und der Transport von Gewand große Klimakiller. Sich bewusster beim Einkauf zu werden, welche Produktionskette hinter dem T-Shirt in der Hand liegt, ist der erste Schritt, um auch hier auf Müll zu verzichten. Alte Kleidungsstücke mit größeren Mängeln lassen sich übrigens auch umfunktionieren, zum Beispiel als Putztuch.

Doch bei vielen Menschen schlummern kleine Schätze im Kleiderschrank, die einfach nicht mehr gerne getragen werden. Eine mögliche Lösung: Veranstalte doch einfach einen Event, um Kleidungsstücke mit Freunden und Bekannten zu tauschen. Das ist nicht nur eine spaßige Angelegenheit, sondern kommt auch deinen Freunden vielleicht sehr gelegen.

Fazit: Die Zero Waste Bewegung ist auch bei vielen Studenten bereits angekommen. Dass du auch zu unserem Blog hier gefunden hast, ist der beste Beweis dafür. Bewusster und im Einklang mit der Umwelt zu gehen und zu leben, ist eine sinnvolle und zukunftsträchtige Sache. Komplett müllfrei zu sein ist anfangs jedoch ein sehr hochgestecktes, vielleicht unrealistisches Ziel. Gib dir ein wenig Zeit. Die ersten Schritte sind bekanntlich die schwierigsten, denn wir müssen unsere Gewohnheiten dafür ein wenig ändern. Idealerweise beginnst du mit kleinen Veränderungen, um in die Aufgabe hineinzuwachsen und setzt regelmäßig neue Maßnahmen. Neue Mist-Monatsziele, zum Beispiel aus den oben genannten Punkten, können dich dabei unterstützen. Wir von STUWO wünschen viel Spaß bei einem müllfreieren Leben.

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