Schwächen im Bewerbungsgespräch: So überzeugst du

Verfasst von: Kerstin Lakits, 01.10.2026

Bei vielen Bewerbungsgesprächen wird noch nach deinen Schwächen gefragt. Allerdings oft nicht mehr direkt mit der klassischen Frage „Was sind Ihre Schwächen?“. Stattdessen geht es häufig darum, wie gut du dich selbst einschätzen kannst und woran du noch arbeiten möchtest. Mit der richtigen Vorbereitung kannst du deine Schwächen zum Vorteil nutzen und dein Gegenüber sogar beeindrucken. In diesem Artikel gehen wir die Vorbereitung, Selbstreflexion und Präsentation deiner Schwächen beim Bewerbungsgespräch durch!

Warum wird im Bewerbungsgespräch nach Schwächen gefragt?

Die Frage nach den Schwächen bei einem Bewerbungsgespräch zählt zu den Stressfragen. Das bedeutet, dass die Personalmitarbeiter/innen sehen wollen, wie du unter Stress reagierst. Diese Frage zielt nicht darauf ab, zu überprüfen, ob du für die offene Stelle qualifiziert oder für diese Aufgabe geeignet bist. Es geht vielmehr darum, ob du deine eigenen Stärken und Schwächen reflektierst und ob du ehrlich bist. Außerdem will der potenzielle Arbeitgeber herausfinden, ob du an deinen Schwächen arbeiten und um Hilfe bitten kannst, um das bestmögliche Arbeitsergebnis zu erreichen. Denn darin liegen dein Potenzial und dein Beitrag für das Unternehmen.

Wie wird im Bewerbungsgespräch nach Schwächen gefragt?

Nicht immer wird die Frage nach den Schwächen direkt als „Was sind Ihre Stärken und Schwächen?“ gestellt. Manchmal werden beim Bewerbungsgespräch indirekte Fragen gestellt. Damit wollen die Personalmitarbeiter/innen dafür sorgen, dass du keine vorgefertigten Antworten auf Standardfragen verwenden kannst. Sie wollen dadurch eine spontane und ehrliche Antwort haben. Hier sind einige Beispiele:

  • Wie würden Ihre Freunde/Familie Sie beschreiben?
  • Welche Eigenschaften wollen Sie an sich verändern?
  • Was würden Ihre Kolleg/innen an Ihnen kritisieren?
  • Wie belastbar/konfliktscheu/lernwillig/teamfähig/verantwortungsbewusst sind Sie auf einer Skala von 1 bis 10?
  • Wie viel Eigeninitiative bringen Sie mit?
  • Welche Aufgaben Ihrer letzten Tätigkeit waren für Sie herausfordernd?
  • Welcher Punkt in der Stellenausschreibung wird Sie am meisten herausfordern?

Diese versteckten Fragen nach den Schwächen thematisieren bestimmte Eigenschaften, die für das Unternehmen wichtig sind. Dabei wird nicht direkt gefragt, ob das eine Schwäche ist, sondern es wird nach einer Einschätzung gefragt.

So findest du deine persönlichen Schwächen

Eine gute Vorbereitung ist der erste Schritt zu einer souveränen Selbstpräsentation bei einem Bewerbungsgespräch, denn so wirft dich die Frage nicht aus der Bahn. Hier sind einige Vorbereitungsschritte:

  1. Überlege dir, was deine Schwächen sind. Sei ehrlich mit dir selbst und reflektiere, in welchen Bereichen du dir in der Vergangenheit schwergetan hast. Erkläre deine Schwäche an einem konkreten Beispiel, damit dein/e Interviewpartner/in versteht, in welchen Situationen und in welchem Ausmaß deine Schwächen auftreten. Im nächsten Abschnitt findest du potenzielle Schwächen.
  2. Stelle sicher, dass deine Schwächen nicht im Widerspruch zu den Kernkompetenzen der Stellenausschreibung stehen, denn dann ist dies nicht die passende Stelle für dich. Zum Beispiel: Wenn du als Pflegerin arbeiten möchtest, ist deine Schwäche „Ich arbeite nicht gern mit anderen Menschen“ ein großes Hindernis.
  3. Lege dir Strategien und Tricks zurecht, die du einsetzen kannst, um an deinen Schwächen zu arbeiten und deine Schwächen auszugleichen. Das zeigt einerseits, dass du an dir selbst arbeitest und andererseits, dass sich deine Schwächen nicht allzu sehr auf deine Arbeit auswirken. Zum Beispiel: Wenn du manchmal etwas unorganisiert bist, kannst du ein System für deinen Kalender entwickeln, damit du keine Deadlines verpasst.

Welche Schwächen eignen sich im Bewerbungsgespräch?

Wir haben dir eine Liste mit häufigen Schwächen, die du beim Bewerbungsgespräch erwähnen kannst, erstellt, damit du dir überlegen kannst, welche davon auf dich zutrifft. Je nachdem, um welche Stelle du dich bewirbst, sind manche Schwächen „schlimmer“ als andere. Ein Beispiel: Wenn du dich als Taxifahrerin oder Chauffeurin bewirbst, ist ein schlechter Orientierungssinn eine sehr gravierende Schwäche.

  • Schnell nervös
  • Unruhig
  • Stur
  • Prokrastination
  • Zu direkt/zu zurückhaltend
  • Zu introvertiert/extrovertiert
  • Nicht „Nein“ sagen können
  • Angst, vor Menschen zu sprechen
  • Vergesslich
  • Entscheidungsschwach
  • Sich Namen nicht merken können
  • Unorganisiert/chaotisch
  • Schlechter Orientierungssinn
  • Kontrollierend
  • Zu emotional/zu sachlich
  • Kein Durchsetzungsvermögen
  • Ungern telefonieren
  • Keine Berufserfahrung
  • Lücke im Lebenslauf

Wenn du dir deiner Schwächen bewusst geworden bist, solltest du dir auch ein Beispiel suchen, anhand dessen du deine Schwächen gut illustrieren kannst. Einfach zu sagen „Meine Schwäche ist …“ reicht nicht. Erkläre, wie sich deine Schwäche auf deine bisherige Arbeit ausgewirkt hat.

So formulierst du deine Schwächen richtig

Jeder Mensch hat Schwächen. Es kommt nur darauf an, wie du deine Schwächen beim Bewerbungsgespräch kommunizierst und darstellst. Es ist wichtig, dass du den Mitarbeiter:innen der Personalabteilung vermittelst, dass du dir deiner Schwächen bewusst bist und daran arbeitest.

Am besten gehst du dabei in drei Schritten vor:

  1. Schwäche nennen: Sprich deine Schwäche offen und ehrlich an.
  2. Kontext geben: Erkläre anhand einer konkreten Erfahrung, wie sich die Schwäche auf deine Arbeit oder dein Leben ausgewirkt hat.
  3. Gegenmaßnahme zeigen: Beschreibe, was du unternommen hast, um an deiner Schwäche zu arbeiten, und wie du heute damit umgehst.

So zeigst du nicht nur deine Schwäche, sondern auch deinen persönlichen Entwicklungsprozess. Dabei reichen zwei bis drei gut gewählte Schwächen völlig aus.

Hier ist ein Beispiel, wie das aussehen könnte: „Ich spreche nicht gerne vor Publikum. In der Schule hat meine Stimme bei Referaten immer gezittert und ich bin rot angelaufen. Während meines Studiums habe ich Sprach- und Rhetoriktrainings besucht. Inzwischen kann ich vor Publikum gute und ruhige Präsentationen halten.“

Dos & Don’ts bei der Schwächen-Frage

Bei der Frage nach deinen Schwächen gibt es einige Stolpersteine. Die wichtigsten Dos & Don’ts im Bewerbungsgespräch auf einen Blick:

DosDon’ts
Beschränke dich auf 2-3 Schwächen.Zähle nicht alle deine negativen Eigenschaften auf.
Zeige, dass du deine Schwächen realistisch einschätzen kannst.Behaupte nicht, dass du keine Schwächen hast.
Erkläre, wie du an deinen Schwächen arbeitest.Stelle eine Stärke als Schwäche dar, z. B. „Ich bin zu organisiert.“
Bleibe ehrlich und authentisch.Nutze keine auswendig gelernten oder unglaubwürdigen Antworten.
Antworte ernsthaft und reflektiert.Versuche nicht, mit Witzen über deine Schwächen hinwegzugehen, z. B. „Ich habe eine Schwäche für Schokolade!“
Bleibe bei beruflich relevanten Schwächen.Nutze die Frage nicht, um dich über frühere Arbeitgeber oder persönliche Probleme negativ auszulassen.

Stärken im Bewerbungsgespräch: Deine Zeit zu glänzen

Deine Stärken sind die zweite Seite der Selbsteinschätzung. Auch hier möchten Personaler*innen wissen, ob du deine positiven Eigenschaften kennst und realistisch einschätzen kannst. Es geht nicht darum, dich als Superman oder Superwoman darzustellen, sondern deine Stärken ehrlich und selbstbewusst zu präsentieren.

Bereite dich deshalb auch auf die Frage „Was sind Ihre Stärken?“ vor. Überlege dir, worin du besonders gut bist, was dir leichtfällt und welchen Mehrwert du für das Unternehmen mitbringst. Wähle dabei Stärken, die zur ausgeschriebenen Stelle passen, und belege sie möglichst mit konkreten Beispielen aus deiner bisherigen Erfahrung.

Mögliche Stärken sind zum Beispiel:

  • Lernbereitschaft
  • Einfühlungsvermögen
  • Stressresistenz
  • Organisationstalent
  • Eigeninitiative
  • Kreativität
  • Problemlösungskompetenz
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Analytisches Denken
  • Zuverlässigkeit
  • Selbstständiges Arbeiten

Das Wichtigste bei deiner Antwort ist, dass du ehrlich, authentisch und reflektiert bist. Vermeide Übertreibungen und finde eine gute Balance zwischen Selbstvermarktung und Bodenständigkeit.

Tipps für Studierende & Berufseinsteiger:innen ohne Berufserfahrung

Gerade beim ersten Bewerbungsgespräch hast du vielleicht noch keine klassische Berufserfahrung. Das bedeutet aber nicht, dass du keine praktischen Erfahrungen oder relevanten Fähigkeiten mitbringst. 

Überlege, was du bereits im Studium, in Praktika, Nebenjobs oder Projekten gelernt hast. Bei einem berufseinschlägigen Studium können zum Beispiel praktische Übungen oder Projekte zeigen, dass du bereits erste Erfahrungen in deinem Fachbereich gesammelt hast. Auch aus Nebenjobs kann man sich so einiges mitnehmen: Wie z. B. der Umgang mit unterschiedlichen Menschen, Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit oder der Umgang mit stressigen Situationen.

Ein Auslandspraktikum oder Auslandssemester ist ebenfalls eine Erfahrung, die es sich zu erwähnen lohnt. Du zeigst damit, dass du dich in einer neuen Umgebung zurechtfinden kannst und bereit bist, deine Komfortzone zu verlassen.

Auch eine Lücke im Lebenslauf musst du nicht verstecken. Erkläre kurz und ehrlich, wie es dazu kam und was du in dieser Zeit gemacht oder gelernt hast. Entscheidend ist weniger, wie viel Berufserfahrung du hast, sondern dass du zeigen kannst, was du bereits kannst und wie sehr du dich weiterentwickeln möchtest.

Wenn du noch unsicher bist, was du nach dem Studium machen möchtest, findest du hier die besten Tipps für die Zeit nach dem Studium.

Fazit: Schwächen im Bewerbungsgespräch als Stärken nutzen

Das Bewerbungsgespräch ist die perfekte Möglichkeit, um dein authentisches Ich zu präsentieren. Deine Stärken sind ein großes Ass im Ärmel, mit dem du von dir überzeugen kannst. Indem du deine Schwächen als Entwicklungspotenzial präsentierst, zeigst du deinem/deiner Interviewpartner/in, dass du reflektiert, selbstkritisch und ehrlich bist. Diese Eigenschaften sind Stärken, die deine Schwächen ausgleichen. Es kommt im Endeffekt weniger auf die genannten Schwächen und vielmehr auf die Art und Weise, wie du sie präsentierst und mit ihnen umgehst, an!

Hier findest du weitere 10 Tipps für das perfekte Bewerbungsgespräch und spezielle Tipps zum Arbeiten neben dem Studium!

FAQs: Häufige Fragen zu Schwächen im Bewerbungsgespräch

Du kannst deine eigenen Schwächen erkennen, indem du dir überlegst, welche Aufgaben dir schwerfallen, welches Feedback du bisher bekommen hast und wo du dich noch verbessern möchtest. Auch Freunde, Familie oder Kolleg*innen können dir eine ehrliche Einschätzung geben.

Eine sympathische Schwäche ist ehrlich, nachvollziehbar und keine grundlegende Einschränkung für deinen Job. Idealerweise zeigst du auch, dass du bereits daran arbeitest.

Um Schwächen positiv zu formulieren, nenne die Schwäche, gib einen kurzen Kontext und zeige, welche Maßnahmen du ergreifst, um daran zu arbeiten.

Es gibt viele mögliche Schwächen, die du im Vorstellungsgespräch nennen kannst. Wichtig ist vor allem, dass sie authentisch sind und tatsächlich auf dich zutreffen. Beispiele sind Prokrastination, Ungeduld oder Nervosität bei Präsentationen.

Ein Stärken-Schwächen-Profil ist eine Übersicht deiner wichtigsten Stärken und Schwächen. Es hilft dir, dich selbst einzuschätzen und dich auf das Bewerbungsgespräch vorzubereiten.

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